Stalag

Stalag-Zeiten in Moosburg

Kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde im Norden Moosburgs das Kriegsgefangenen-Mannschafts-Stammlager (STALAG) VII A eingerichtet. Zunächst für 10.000 Gefangene geplant, waren bis Kriegsende bis zu 80.000 Soldaten in Zelten und Baracken untergebracht. Insgesamt wurden von 1939-45 mehr als 150.000 Gefangene dort registriert und im Wehrkreis VII (Südbayern) auf Arbeitskommandos verteilt. Das Lager war eines der größten in Deutschland. Die meisten Gefangenen stammten aus Frankreich und der Sowjetunion. Der Existenz des Lagers verdankt es die Stadt, dass sie während des Krieges nicht wie so viele andere Städte bombardiert wurde – die Alliierten wollten nicht die eigenen Soldaten im Lager in Gefahr bringen. Am 29. April 1945 wurden sie von amerikanischen Truppen befreit.

 

Internment Camp 6

Nach Kriegsende wurden von der amerikanischen Verwaltung im Lager zunächst nationalsozialistische Täter und Mitläufer interniert, die sich dann in Entnazifizierungsverfahren rechtfertigen mussten.

 

Neustadt

Mit der Freigabe des Geländes im Jahre 1948 wurden die Baracken für dringend benötigten Wohnraum für Heimatvertriebe aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten genutzt. Nach und nach wurden die Baracken durch Um- und Neubauten ersetzt und es entwickelte sich der heutige Stadtteil Neustadt, an dessen Anfänge heute noch die Namensgebung der Straßen erinnert.

Gedenkstätten und Erinnerungsorte

Alle Standorte

Stalag-Lagereingang (Info-Punkt)

Dieser Erinnerungsort befindet sich direkt vor dem ehemaligen Lagereingang. Der Blick in die heutige Sudetenlandstraße zeigt die Ausdehnung der Lagerhauptstraße in voller Länge, ebenso die Breite des Geländes. Hier ist die beste Übersicht über die Ausdehnung und Gestaltung des Lagers. Informationstafeln geben einen Überblick über die Geschichte.

Adresse: Nähe Sudetenlandstraße 1 (Ecke Neustadtstraße)

Hier beginnen auch Besucherführungen, die der Verein Stalag Moosburg e.V. nach Vereinbarung anbietet. Führungen: info@stalag-moosburg.de, Tel. 08761 / 6607000 (Günther Strehle)

 

Stalag-Gedenkplatz

Zentraler Erinnerungsort mitten im ehemaligen Lagergelände ist der Stalag-Gedenkplatz mit Informationstafeln und dem sog. „Franzosenbrunnen“, ein vom französischen Bildhauer Antoniucci Volti während seiner Gefangenschaft gestalteter und gefertigter Skulpturstein, der die 4 großen Flüsse Frankreichs allegorisch darstellt. Der Brunnen wurde im Jahre 1963 als erstes Denkmal an das Lager aufgestellt und eingeweiht. Im Jahr 2015 wurde der Platz neu gestaltet und in Gedenken an das Lager benannt.

Adresse: Böhmerwaldstraße 21 (frei zugängliche Parkanlage)

 

Stalag-Gedenkstätte Oberreit

Auf dem ehemaligen Kriegsgefangenen-Friedhof Oberreit wurden zwischen 1939 und 1945 die etwa 1000 Toten des Kriegsgefangenenlagers STALAG VII A bestattet. Etwa 800 der Verstorbenen waren sowjetische Kriegsgefangene, die aus ideologischen Gründen deutlich schlechtere Haftbedingungen hatten, als die durch die Genfer Konvention geschützten west-alliierten Soldaten. Die Verstorbenen wurden in den 50er-Jahren exhumiert und auf zentralen Ehrenfriedhöfen beigesetzt. 1982 erwarb die Stadt das Gelände und errichtete dort eine Gedenkstätte, die 2014 renoviert und neu eröffnet wurde.

Adresse: Ortsteil Oberreit,  an der Staatstraße nach Freising (frei zugängliche Parkanlage)

Verbliebene Original-Baracken

„Sabathiel“-Baracke (Egerlandstraße 22, Betreten nicht möglich wegen Einsturzgefahr)

Teil der letzten noch bestehenden Gefangenenbaracke, die aufgrund der Nachnutzung als Werkstatt des Schreiners Adolf Sabathiel weitgehend unverändert blieb. Über die Erhaltung und Nutzung der Baracke, die sich in einem sehr schlechten baulichen Zustand befindet, als Erinnerungsstätte, wird noch kontrovers diskutiert. Sie steht unter Denkmalschutz. Eine Überdachung als Wetterschutz wurde zunächst im April 2020 errichtet.

Ehemalige Baracken der Wachmannschaften (Schlesierstraße 1-5, Betreten nicht möglich)

Die Kaserne der Wachmannschaft befand sich etwa 500 m vom Gefangenenlager entfernt. Die Gebäude dienten nach dem Krieg als Wohngebäude für sozial Bedürftige. Drei dieser Baracken sind noch erhalten und stehen ebenfalls unter Denkmalschutz. Die weitere Nutzung oder ein möglicher Abriß steht noch in Diskussion. Ein Teil ist für ein zukünftiges Info- und Dokumentationszentrum vorgesehen.

Museum

Im Stalag-Neustadt-Museum kann man sich ausführlich über diesen Abschnitt der Moosburger Geschichte informieren. Bitte beachten Sie die Öffnungszeiten (siehe unten).

Auch im Heimatmuseum (Kastulusplatz 3) befindet sich eine große Sammlung von Original-Gegenständen aus dem Lager sowie von Gefangenen hergestellten kunsthandwerklichen Arbeiten. Ein hölzernes Modell des Lagers vermittelt einen Eindruck von dessen Struktur.

Stalag Moosburg e.V.

Im November 2013 wurde der Verein “Stalag Moosburg e.V. – Verein zur Förderung interkultureller Begegnung” von Moosburger Bürgern gegründet. 

Der Verein hat das Ziel der Dokumentation, des Gedenkens und der Begegnung auf der Grundlage der historischen Entwicklung des Lagers Stalag VII A. Er engagiert sich in vielfältigen Projekten und in Zusammenarbeit mit der Stadt Moosburg für die Einrichtung und Gestaltung der Erinnerungsorte, wissenschaftliche Recherchen und Dokumentationen, Ausstellungen und Veranstaltungen. Derzeit wichtigstes Projekt (2020/21) ist die Erarbeitung eines Konzepts für ein Info- und Dokuzentrum, in dem die überregionale historische Bedeutung generationenübergreifend vermittelt werden kann.

Führungen:

Für die häufigen Besuche von Angehörigen aus dem Ausland bietet der Verein Führungen in Deutsch, Englisch und Französisch an.

Kontakt: info@stalag-moosburg.de, Tel. 08761 / 660700 (Günther Strehle)

 

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